Der Säure-Basen-Haushalt: Warum die Balance im Körper so wichtig ist
Müdigkeit, Kopfschmerzen, Hautprobleme – viele kennen diese Beschwerden, ohne die Ursache zu kennen. Ein möglicher Erklärungsansatz aus der ganzheitlichen Ernährungslehre: ein aus dem Gleichgewicht geratener Säure-Basen-Haushalt. Was steckt dahinter?
Was bedeutet „Säure-Basen-Haushalt“ überhaupt?
Der Säure-Basen-Haushalt beschreibt das Gleichgewicht zwischen sauren und basischen Substanzen in unserem Körper. Dieses Gleichgewicht ist keine Nebensache, sondern entscheidend dafür, wie gut unser Stoffwechsel funktioniert und wie es um unsere allgemeine Gesundheit steht.
Basen setzen in wässriger Lösung Hydroxidionen frei und wirken dadurch basisch – bekannte Vertreter sind Natron oder Verbindungen mit Kalium, Kalzium und Magnesium. Säuren hingegen geben Wasserstoffionen ab. Interessant dabei: Geschmack und chemische Wirkung müssen nicht übereinstimmen. Zucker schmeckt nicht sauer, wirkt im Körper aber säurebildend, während Zitronensaft trotz seines sauren Geschmacks basisch wirkt.
Gemessen wird dieses Verhältnis über den pH-Wert, der auf einer Skala von 0 bis 14 angibt, wie sauer oder basisch eine Lösung ist. 7 gilt als neutral, darunter liegt der saure, darüber der basische Bereich.

Warum unser Blut leicht basisch sein muss
Damit unser Blut seine lebenswichtigen Aufgaben erfüllen kann, muss es sich in einem engen, leicht basischen Bereich zwischen 7,35 und 7,45 bewegen. Nur so bleiben die roten Blutkörperchen gesund und das Blut kann optimal zirkulieren – Sauerstoff und Nährstoffe zu den Zellen transportieren und gleichzeitig Säuren sowie Stoffwechselendprodukte abtransportieren.
Der Körper verteidigt diesen Zustand mit allen Mitteln. Dafür gibt es ein ganzes System aus Puffer- und Entsäuerungsmechanismen, die dauerhaft im Hintergrund arbeiten.
Wie es zur Übersäuerung kommt
Ist dieses System überlastet, spricht man von Übersäuerung. Die Ursachen liegen größtenteils in unserem Alltag:
* eine „normale“ Ernährung mit viel Eiweiß, Zucker, Weißmehl und ungesunden Fetten
* Alkohol, Nikotin, Farb- und Konservierungsstoffe
* Umweltgifte wie Insektizide, Pestizide und Herbizide
* Elektrosmog und Arzneimittel
* Stress, Ärger und unverarbeitete seelische Belastungen
Hinzu kommt: Auch der Stoffwechsel selbst produziert ständig Säuren – etwa Kohlensäure, Harnsäure oder Milchsäure. All diese Säuren müssen neutralisiert und über Nieren, Darm, Lunge und Haut ausgeschieden werden.
Ist das Blut mit Säuren gesättigt, greift der Körper zu einer Notlösung: Der Säureüberschuss wird ins Bindegewebe ausgelagert. Bleibt dieser Zustand dauerhaft bestehen, spricht man von chronisch latenter Übersäuerung (Azidose) – die Puffer- und Ausscheidungssysteme von Blut, Lymphe, Bindegewebe, Leber, Nieren, Darm, Lunge und Haut sind dann dauerhaft überfordert. Das Gewebe lagert zunehmend Säuren und Schadstoffe ein und verliert dabei Flexibilität, Elastizität und Pufferkapazität. Um weiterhin Säuren neutralisieren zu können, greift der Körper sogar auf Mineralstoffe aus Bindegewebe, Knochen und Organen zurück – er entmineralisiert sich gewissermaßen selbst.
Mögliche Folgen einer dauerhaften Übersäuerung
Nach diesem Erklärungsmodell kann eine anhaltende Übersäuerung ein breites Spektrum an Beschwerden begünstigen – von Müdigkeit, Kopfschmerzen und Sodbrennen über Hautprobleme und Infektanfälligkeit bis hin zu ernsteren Erkrankungen wie Osteoporose, Arthrose oder Gicht.
Die 80:20-Regel als Gegenmittel
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Ernährung lässt sich gegensteuern. Als Faustregel gilt ein Verhältnis von 80 % basenbildenden (reichlich genießen!) zu 20 % säurebildenden Lebensmitteln (in Maßen genießen).

Weitere Stellschrauben im Alltag
Neben der Ernährung helfen einige einfache Gewohnheiten, den Körper bei der Entsäuerung zu unterstützen:
* in Ruhe essen und gründlich kauen
* ausreichend trinken, am besten kohlensäurefreies Wasser
* regelmäßige Bewegung und Sport
* gelegentliches Fasten bzw. Intervallfasten
* basische Körperpflege (basische Bäder, Wickel, Pflegeprodukte)
* bewusstes Atmen
* ausreichend Schlaf
* Stress reduzieren
Fazit
Die Balance im Säure-Basen-Haushalt gilt in der ganzheitlichen Ernährungslehre als wichtige Grundlage für Wohlbefinden und Gesundheit. Übersäuerung entsteht meist schleichend – durch ungesunde Ernährung, Stress und Umweltfaktoren – und kann sich in vielfältigen Beschwerden äußern. Eine basenreiche, abwechslungsreiche Ernährung, ausreichend Bewegung, genug Flüssigkeit und bewusste Entspannung sind einfache, aber wirkungsvolle Hebel, um das Gleichgewicht zu bewahren.
Quellen:
Jentschura, Roland: Power statt „sauer“ / Unser Säure-Basen-Haushalt entscheidet, 2.
Auflage, Münster, 2021
Tepperwein, Kurt: Jungbrunnen Entsäuerung / Wohlbefinden rundum durch ein
harmonisches Säure-Basen-Verhältnis, 21. Auflage, München, 2001
Meier-Ivancan, Monica: Meine wunderbare Basenküche / Nie mehr sauer sein: Rezepte
für mehr Gesundheit, Power und Ausstrahlung, 2. Auflage, München, 2022